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19Rosskastanie

Aesculus hippocastanum

Rosskastanie

Baum 19 steht am Hintereingang des Max-Delbrück-Communication Center. Es ist eine Rosskastanie, botanisch Aesculus hippocastanum, aus der Familie der Rosskastaniengewächse oder Hippocastanaceae.

Der Name Aesculus geht auf den Botaniker Linné zurück. Er übernahm den Namen von einer in der Antike als aesculus bezeichneten Eichenart. Die deutsche Namensgebung „Rosskastanie“ erhielt der Baum aufgrund seiner Samen, den Kastanien, und deren Verwendung als Pferdefutter und Mittel gegen Pferdehusten.

Die Rosskastanie kann bis zu 30 Meter hoch und circa 300 Jahre alt werden. Der Stamm kann auf zwei Meter Durchmesser anwachsen und trägt eine glatte und braune, bisweilen leicht rötliche Borke. Die Äste tragen leicht überhängende Zweige; sie bilden eine dichte und sehr breite Krone. Die Blätter der Rosskastanie sind Fiederblätter, ein Blatt besteht also aus mehreren Blättchen, die wie voneinander getrennt erscheinen. Auf der Unterseite tragen die Blättchen filzige Adern. Die Blütezeit dauert von etwa April bis Juni. Ungewöhnlich ist ihre Farbänderung nach der Bestäubung. Die weißen Blüten haben im unbefruchteten Zustand einen gelben Fleck der nach der Bestäubung rot wird. Im September reifen die Kapselfrüchte. Sie sind grün, stachelig und tragen meist einen (selten bis zu drei) Samen, die Kastanien.

Beheimatet ist die Rosskastanie in Kleinasien und auf der Balkanhalbinsel. Die Osmanen entdeckten die heilende Wirkung bei Pferden. Auf diesem Wege gelangte die Rosskastanie nach Mitteluropa. Ab dem 16. Jahrhundert wurde sie ein beliebter Baum für Schlossgärten und Alleen. Sie ist sehr winterfest und bevorzugt nährstoffreiche und frische bis feuchte Sand- und Lehmböden. Als sonnenliebender Flachwurzler steht sie nicht gerne eng.

Als Heilmittel hat sie sich bewährt. Aus Borke, Samen, Blüten und Blättern lassen sich eine Vielzahl pharmakologisch aktiver Substanzen extrahieren, vorwiegend Cumarine wie Aescin, aber auch Saponine und andere. Sowohl bei Tieren als auch beim Menschen werden Rosskastanien-Extrakte gegen Entzündungen und Atemwegserkrankungen verwendet. Getrocknete Blätter werden gegen Warzen, Venenschwäche, und Hämorrhoiden eingesetzt. Weil β-Aescin hämolytisch aktiv ist, werden Extrakte der Kastanien gegen chronische Veneninsuffizienz, Ödeme, bei Schwere- und Spannungsgefühlen im Beinbereich, sowie bei schmerzhaften Verletzungen wie Verstauchungen eingesetzt. Die Blüten finden Anwendung als Adstringens und Tonikum sowie bei Gicht und Rheuma. Das aus Kastanien gewonnene Öl kann als Speiseöl genutzt werden, wird aber zumeist als Grundstoff für Seife und Schmierstoffe verwendet. Nicht zuletzt sind die Kastanien Tierfutter und bei Kindern beliebtes Ausgangsmaterial für Basteleien.

Da die Rosskastanie unter anderem durch die Belastung der Rosskastanienminiermotte zu einer gefährdeten Baumart zählt, wurde sie in Deutschland zum Baum des Jahres 2005 gewählt. Außerdem wurde die Rosskastanie Arzneipflanze des Jahres 2008.

Kastanie Blattwerk
Kastanie Blatt
Kastanie Krone
Kastanienblüten
Kastanie Stamm
Kastanienfrüchte
Kastanie im Winter

Exkurs: Rosskastanienminiermotte

In Mitteleuropa existiert kaum eine Rosskastanie, deren Blätter im Sommer keine braunen Stellen aufweisen. Grund hierfür ist die Raupe der Rosskastanienminiermotte (Cameraria ohridella). Der Kleinschmetterling entwickelt sich fast ausschließlich in den Blättern der Rosskastanie. 1984 erstmals in einem eng umgrenzten Bereich Mazedoniens entdeckt, breitete sie sich von hier sehr schnell über Mitteleuropa aus. Grund hierfür ist das Fehlen natürlicher Feinde. Anfangs wurde befürchtet, dass Befall zum Absterben der Bäume führen würde. Bisher hat sich das nicht bewahrheitet, auch wenn der frühe und starke Blattverlust die Bäume schwächt, was an den deutlich kleineren Kastanien befallener Bäume erkennbar ist.